Alle meine Geister

Sie floh aus dem Krankenhaus, um sich zu heilen: Therapeutin Maria Fernanda war dem Tode nahe, als etwas passierte, was ihr Leben für immer veränderte.

Wer Maria Fernandas Haus betritt, sieht auf dem Boden oft kleine bunte Bombons liegen. Sie sind nicht für Menschen, sondern für Geisterkinder. Sie können die Süßigkeiten riechen und sich daran laben, sagt Maria Fernanda, die sanft lächelt, wenn sie über die Kinder spricht, als wären es ihre eigenen.

Gute Geister, dunkle Reptiloide, lichtvolle Engel - für Heilerin und Medium Maria Fernanda sind sie ebenso real wie iridische Menschen und Tiere. Wer mit ihr spricht, wartet nicht lange, bis sie im Raum etwas sieht, das den meisten Menschen verborgen bleibt.

Befreit vom dunklen Geist

Eine junge Frau sucht Maria Fernanda auf, die Angstzustände hat. Sie hat vorausdeutende Träume und prophezeit, was in der Zukunft passieren wird. Maria Fernanda sieht ein schwarzes Skelett am Nacken der Patientin. Dann fängt Maria Fernanda an, stark zu atmen, mit den Händen um die junge Frau herum zu wedeln. "Mein guter Geist ist in mich hineingefahren und hat geholfen, den dunkeln Geist zu befreien und ins Licht zu schicken", erklärt sie. Zum Schluss der Reinigung dankt sie Gott.

Maria Fernanda wohnt im Bundesstaat Goiás in einem kleinen Ort in der Nähe von Brasília, einem Dorf, welches sich selbst als spirituelle Hauptstadt des Landes bezeichnet. Hier reiht sich ein spirituelles Zentrum an das nächste. Maria Fernanda arbeitet im Casa da Esperança, dem "Haus der Hoffnung". Hier wird in der Tradition des Franzosen Allan Kardec geheilt, der im 19. Jahrhundert den Spiritismus begründete - den Glauben an eine Welt der Geister verbunden mit der Praxis, mit ihnen zu kommunizieren.

Suchende und Kranke kommen zu Besuch mit der Hoffnung auf Antworten und Heilung - unter anderem zu Maria Fernanda, deren Weg hin zu ihrem jetzigen Leben als Therapeutin steinig war.

Eine mutige Mutter

"Meine Kindheit war sehr leidvoll", sagte sie. Sie sei bereits im Bauch der ledigen Mutter abgelehnt worden: Man habe versucht sie abzutreiben, weil es in den 60er Jahren eine große Schande war, als unverheiratete Frau schwanger zu sein. Maria Fernanda wurde durch ihre mutigen Mutter ausgetragen und erblickte das Licht der Welt. Bis zum Alter von vier Jahren lebte sie bei der Großmutter, dann verließ die Mutter sie vollkommen, heiratete später neu und holte sie in eine andere Familie - eine Großfamilie mit insgesamt acht Kindern von unterschiedlichen Partnern der Mutter. Ein "Kind der Adoption" nennt sie sich, alleine innerhalb einer Familie.

Die Trennung von meiner lieben Großmutter hat mich verwirrt zurückgelassen. Ich wusste nicht mehr, wohin ich gehörte.

Es beginnt eine Suche nach Selbsterkenntnis und Heilung. Blütenessenzen, Entspannungsmassagen, Homöopathie. Fernanada arbeitet als Friseurin und Masseurin. Dabei bemerkt sie ihre starke Sensitivität. Beim Massieren spürt sie den Geist von Ehemännern, die "mit im Raum stehen", hört Botschaften. Sie versteht zunächst nicht, was mit ihr los ist - nur, dass sie dauernd krank wird. Sie übergibt sich, zittert am ganzen Leib, muss immer wieder in die Klinik.

Der Wendepunkt

Schließlich erreicht sie einen Punkt, an dem sie stark geschwächt ist. Maria Fernanda wiegt nur noch eine Bescheidenheit, hängt im Krankenhaus am Tropf und ist überzeugt: "Hier werde ich sterben." Vor dem inneren Auge sieht sie sich bereits im Sarg. In dieser Verzweiflung reißt sie den Zugang zum Tropf heraus, flieht aus dem Krankenhaus. Draußen angelangt, verfolgt sie die Silhouette einer Freundin, der sie begegnet. Der Schatten folgt ihr auf Schritt und Tritt, bis sie zum Haus der Freundin kommt. Dort wird sie aufgepäppelt - und schließlich landet sie bei Marquez, der sie in seine Obhut nimmt.

Ich habe das als Moment erlebt, bei dem Gott eingegriffen hat und mein Leben gerettet hat.

Für sie war das der Beginn ihrer eigentlichen Heilung. Bei ihrem spirituellen Meister Marquez geht sie fortan in die Lehre.

Heute versteht Maria Fernanda: Ihr Leid ist auf Fehler in früheren Leben zurückzuführen. Eine Möglichkeit, in diesem Leben zu lernen, zu heilen, zu verzeihen. Jeder Tag beginnt für sie mit einem Ritual. Dann wendet sie sich Richtung Osten und spricht: "Ich vergebe meiner Mutter. Ich vergebe allen, die mir in diesem Leben und in anderen Leben geschadet haben - und ich bitte um Vergebung für alles, was ich ihnen angetan habe."

Eine "karmische Entscheidung"

Drei Kinder aus drei Beziehungen hat Maria Fernanda mittlerweile. Das erste Kind entsteht mit 17 Jahren, als sie unverheiratet war, sie war alleinerziehend, der Stiefvater wertet sie deswegen ab. "Ich habe das Leben meiner Mutter wiederholt", sagt Maria Fernanda.

Als Maria Fernanda kein Geld mehr hatte, um zu überleben, teilten ihr die geistigen Führer mit, sie solle eine Wohnung mieten und ein Airbnb für geistige Suchende anbieten - um ihnen zu helfen und um selbst nicht mehr alleine zu sein. Dann werde sie auch viele Menschen unterstützen können. Auch sagte ihr der Geist: Das Zusammenleben mit dieser Familie in diesem Leben war eine "karmische Entscheidung".

"Das größte Wunder ist, dass ich trotz allem, was mir passiert ist, noch am Leben bin." Mit ihrem eigenen Schicksal ist Maria Fernanda noch nicht fertig. Ihr großer Wunsch ist es, die Liebe ihrer Kinder zurückzugewinnen und eine Beziehung zu ihren sieben Enkeln aufzubauen, die im Ausland leben.

Maria Fernandas Traum...

Die Lebensaufgabe bleibt: die Vergangenheit zu befreien, Liebe zurück zu sich selbst und ihrer Familie zu bringen. Vielleicht fängt es mit den Süßigkeiten in der Wohnung an, die die kleinen Geisterkinder anziehen. Maria Fernanda fühlt es: "Sie bringen Freude ins Haus."

Die Geschichte hinter der Geschichte

Mehr als drei Wochen verbrachte ich in Palmelo. In Asunción lernte ich die Deutsch-Ägypterin Amanda kennen, eine Schrifstellerin und Heilerin, die mir von dem Heilort erzählte. Kurzerhand fuhren wir zusammen hin und übernachteten im Haus "Sol e Lua" (Sonne und Mond) von Maria Fernanda.
Maria Fernanda und Amanda in ihrer Unterkunft...

Vor unserem Gespräch betete sie, dass die guten Geister in den Raum kommen und ihr dabei helfen, gute Antworten zu geben, und segnete mich. Ich spürte eine starke Präsenz.

Erhebende Weihnachtsstimmung in Palmelo mit einem Engel

Während sie die fertige Geschichte las, fing sie an zu weinen und sagte: "Jetzt weißt du, warum es mir so schwer fällt, meine Biographie zu schreiben…"

Die Süßigkeiten im Topf warten nur darauf, dass sich Geisterkinder daran laben...

Vielen Dank, Maria Fernanda, für diesen Einblick in dein bewegtes Leben!

In eigener Sache

Wenn euch unsere Geschichten gefallen und ihr mitgenommen werden wollt auf unsere ganz persönliche Reise mit mosaik.earth, meldet euch gerne bei unserem Newsletter an und folgt uns auf Instagram.

Hier geben wir von Zeit zu Zeit Einblicke in unsere Arbeit, unsere Reisen, Höhen und Tiefen eines freien Lebens und das Erwachsenwerden unseres Projekts. Wir freuen uns auf euch!

Für die nächste Geschichte.

Unsere Portraits sind kostenlos und werbefrei. Wenn dir unsere Arbeit gefällt, hilf uns, weiter Geschichten von Menschen aus aller Welt zu erzählen.

Häufigkeit
Unterstützung verwalten

Freiwillige Unterstützung — wir können keine Spendenbescheinigungen ausstellen.

Monatlich unterstützen
Weiter · 8 € im Monat